Behandlung und Vorbeugung von Dekompressionserkrankungen mit dem Schwerpunkt Volumenmangeltherapie Published by Jochen Alius on 2009-09-22
Wie bereits schon jeder angehende Taucher bei seiner Ausbildung zum OWD lernt besteht die ambulante notfallmäßige Versorgung einer Dekompressionserkrankung (DCS/DCI) unabhängig vom Atemgas in der Gabe von 100% Sauerstoff (vorzugsweise über Demand-Ventil). Auch wird der begünstigende Faktor der Dehydratation zur Ausbildung einer DCS angesprochen, aber oft nur unzureichend erklärt.
Faktoren die zu einer Dehydratation führen sind z.B.:
- Anfeuchten der trockenen Atemluft
- Erhöhte Harnbildung durch Immersions-Effekt
- Anstrengung
- Alkoholgenuss (auch am Abend vor dem Tauchgang)
- Schwitzen
- Verminderte Flüssigkeitszufuhr
Allein durch das Anfeuchten der Atemluft und der erhöhten Harnbildung durch Immersion (Taucherdiurese) kommt es zu einem Volumendefizit von ca. 1,5L.
Aus diesem Grunde sollte der Taucher vor dem geplanten Tauchgang gut hydriert sein. Dies ist der Fall wenn der Urin kurz vor dem Tauchgang fast farblos ist und noch einmal etwas Flüssigkeit zu sich genommen wird. Als Getränk sollte Wasser mit Mineralien verwendet werden, denn gerade in wärmeren Regionen verliert der Körper über das vermehrte Schwitzen besonders viel Flüssigkeit und Mineralien.
Vor dem Hintergrund das ein Flüssigkeitsmangel das Risiko einer DCS erhöht und bei vielen Sporttauchgängen mit unauffälligen Tauchprofilen als ursächlicher Faktor einer DCS ausgemacht wurde, ist gerade im Bereich des „Technischen Tauchens“ auf eine Ausreichende Hydratation zu achten. Diese sollte auch während des Tauchganges fortgesetzt werden, zu diesem Zwecke sind im Handel spezifische Trinkbeutel erhältlich. Auch dürfte der durch die Taucherdiurese erhöhte Harndrang kein Problem darstellen, da die meisten Trockentauchanzüge mit Urinier-Ventilen ausgerüstet sind.
Sollte es nun doch einmal nach einem Tauchgang zu Symptomen einer DCS kommen, ist neben der an erster Stelle stehenden Gabe von 100% Sauerstoff auch an eine Volumensubstitution zu denken (1000 ml/h).
Doch hier stellt sich oftmals die Frage wie hat die notfallmäßige Zufuhr von Flüssigkeit auszusehen. Ein probates Mittel ist sicherlich die Zufuhr von Flüssigkeit durch trinken, wobei dieses nur möglich ist solange der verunfallte Taucher bei klarem Bewusstsein ist. Auch ist notfallmäßig gar nicht so schnell die gewünschte Volumenerhöhung herbeizuführen.
Aus diesem Grunde schlägt die Fachliteratur die Infusionstherapie mit kristalloiden isotonen Lösungen z.B. Ringer-Lsg vor.
Doch wie legt man einen Zugang?
Während die Gabe von 100% Sauerstoff sich als kein so großes Problem darstellt und in verschiedenen Kursen intensiv geübt werden kann (z.B. DAN) sieht dies mit dem Legen eines Zuganges schon schwieriger aus. Und wer nicht aus berufswegen damit vertraut ist wird sich sicherlich auch etwas schwer tun dies in einem Notfall professionell zu handhaben.
Dennoch sollte sich jeder Taucher und insbesondere jeder „Technische Taucher“ mit dem Vorgehen bei Tauchunfällen besonders beschäftigen, da meiner Meinung nach ab einer bestimmten taucherischen Qualifikation auch der Umgang mit Notfallsituationen genauso geschult gehört wie der S-Drill.
Auf die Anleitung zum Legen einer Infusion muss leider aus rechtlichen Gründen verzichtet werden. Ich hoffe aber dass dieser Artikel jeden einzelnen ermuntert sich aktiv an der Weiterbildung seiner persönlichen Fähigkeiten im Management von Notfallsituationen zu engagieren.
Dr. med. dent. Jochen K. Alius
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